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Steuern für das Gemeinwohl: Ein Gespräch mit Antje von Dewitz

Antje von Dewitz, Geschäftsführerin von Vaude, spricht im brand eins Podcast über die Verantwortung von Unternehmen gegenüber der Gesellschaft und die Notwendigkeit höherer Steuern.

Anna Klein15. Juni 20263 Min. Lesezeit

Warum sind höhere Steuern für Unternehmen notwendig?

Antje von Dewitz, die Geschäftsführerin des nachhaltigen Outdoor-Ausrüsters Vaude, ist der Meinung, dass Unternehmen, die auf Kosten des Gemeinwohls wirtschaften, ihrer Verantwortung durch höhere Steuerabgaben gerecht werden sollten. Die Debatte über Unternehmenssteuern ist nicht neu, aber sie wird durch aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen wie den Klimawandel und soziale Ungleichheiten immer dringlicher. Unternehmen, die von der Infrastruktur und dem Bildungssystem profitieren, sollten sich auch finanziell an deren Erhalt beteiligen. Es scheint eine grundlegende Frage der Fairness zu sein, die oft in der Hitze des Geschäftslebens vergessen wird.

Was bedeutet „auf Kosten des Gemeinwohls“?

Dieser Ausdruck könnte als vage erscheinen, doch die Bedeutung ist klar: Unternehmen, die ihre Gewinne maximieren, ohne die Folgen ihres Handelns für die Gesellschaft zu berücksichtigen, handeln in diesem Sinne. Das kann verschiedene Formen annehmen, sei es durch die Ausbeutung von Ressourcen, durch Umweltschäden oder durch die Missachtung von Arbeitsbedingungen. Von Dewitz plädiert für eine stärkere Korrelation zwischen Unternehmensgewinnen und den Steuern, die sie zahlen. Wenn ein Unternehmen floriert, während es die sozialen und ökologischen Kosten seines Handelns externalisiert, entsteht eine ungleiche Last für die Gesellschaft. Ein solches Verhalten könnte man als wirtschaftliche Verantwortungslosigkeit bezeichnen.

Welche Rolle spielen nachhaltige Geschäftsmodelle?

Nachhaltige Geschäftsmodelle sind nicht nur eine Modeerscheinung; sie sind der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft. Von Dewitz argumentiert, dass Unternehmen, die Umwelt- und Sozialstandards ernst nehmen, nicht nur positive Auswirkungen auf die Gesellschaft haben, sondern langfristig auch wirtschaftlich erfolgreicher sind. Kunden sind zunehmend bereit, mehr für Produkte zu zahlen, die ökologisch und sozial verantwortlich hergestellt werden. Dies zeigt sich in dem wachsenden Erfolg von Unternehmen, die auf Transparenz und Nachhaltigkeit setzen. Doch diese positiven Ansätze benötigen auch eine faire steuerliche Basis, um den notwendigen gesellschaftlichen Wandel zu unterstützen.

Wie reagieren die Unternehmen auf diese Forderungen?

Die Antwort ist vielschichtig. Einige Unternehmen zeigen bereits Ansätze zur Veränderung und senken ihre CO2-Emissionen oder verbessern die Arbeitsbedingungen. Doch viele sind nach wie vor skeptisch gegenüber einer Erhöhung der Steuern. Die Angst vor Wettbewerbsnachteilen und dem Verlust von Investitionen treibt die Diskussion. Ironischerweise kann genau diese Weigerung, sich finanziell stärker zu engagieren, langfristig dem eigenen Geschäftsmodell schaden. Der Aufbau von Vertrauen und die Schaffung eines positiven Images können entscheidend sein – und diese gehen oft Hand in Hand mit einer höheren Steuerverantwortung.

Was sind die langfristigen Vorteile höherer Steuern für Unternehmen?

Wenn Unternehmen bereit sind, ihren fairen Teil an Steuern zu zahlen, schaffen sie nicht nur die Grundlage für ein stabiles wirtschaftliches Umfeld, sondern fördern auch das soziale Gefüge ihrer Gesellschaft. Höhere Steuereinnahmen können in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur investiert werden, was wiederum den künftigen Arbeitnehmern zugutekommt. Eine gut ausgebildete und gesunde Bevölkerung ist ein unschätzbarer Vorteil für jedes Unternehmen. Anstatt sich gegen höhere Steuern zu wehren, sollten Unternehmen hier eine Chance sehen: die Möglichkeit, in das Gemeinwohl zu investieren und eine stabilere Zukunft für alle zu schaffen.

Gibt es Beispiele für Unternehmen, die diesen Weg erfolgreich gegangen sind?

Ja, es gibt genügend Beispiele von Firmen, die diesen Paradigmenwechsel erkannt haben. Unternehmen, die fair produzieren und dabei einen hohen sozialen Standard einhalten, sehen oft direkte Vorteile in Form von Loyalität und gesteigertem Umsatz. Der Outdoor-Markt selbst hat mit Marken, die sich klar zu Nachhaltigkeit bekennen, sowie durch transparente Prozesse einen Aufschwung erlebt. Diese Marken heben sich nicht nur von der Konkurrenz ab, sie tragen auch aktiv zur Schaffung eines besseren gesellschaftlichen Rahmens bei. Solche Erfolge sollten andere Unternehmen dazu inspirieren, ähnliche Wege zu gehen.

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